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Neue Satzung der ÑÇ‘_ÌåÓýapp¹ÙÍø_ÑDz©ÊÓÑ¶ÕæÈË£¤ÊÖ»ú°æÏÂÔØ zur Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis in Kraft getreten - ein Interview

Das Bild zeigt einige Personen, die sich unterhalten.
Fotonachweis: Anne Schwerin
21.01.2026

Die k¨¹rzlich ver?ffentlichte und verbindlich eingef¨¹hrte ¡°Satzung der ÑÇ‘_ÌåÓýapp¹ÙÍø_ÑDz©ÊÓÑ¶ÕæÈË£¤ÊÖ»ú°æÏÂÔØ zur Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis und zum Umgang mit Verdachtsf?llen wissenschaftlichen Fehlverhaltens¡± bildet die Grundlage f¨¹r die Forschung nach h?chstem nationalen Standard an der HoMe. Die Satzung der HoMe wurde in Anlehnung an die Empfehlungen der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG-Kodex: Leitlinien zur Sicherung GwP) und der Mustersatzung der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) erarbeitet, mit der DFG abgestimmt und von ihr genehmigt. 

In diesem Zusammenhang gab die Prorektorin f¨¹r Forschung, Wissenstransfer und Existenzgr¨¹ndung, Frau Prof. Dore¨¦n Pick, ein Interview:   

1. Welche Bedeutung hat diese Satzung f¨¹r die t?gliche Forschungsarbeit an der HoMe? F¨¹r wen ist sie verbindlich? Wie wurde die gute wissenschaftliche Praxis an der HoMe bisher sichergestellt?
Pick: Die Reichweite der Satzung umfasst die Erhebung bis zur Analyse von Daten, umfasst auch den Publikationsprozess sowie den Umgang mit vermutetem wissenschaftlichen Fehlverhalten. Jede Forscherin, jeder Forscher ist also von der Satzung betroffen. Auch f¨¹r die Studierenden unserer Hochschule gilt diese Satzung ¨C immer dann, wenn sie im Rahmen ihres ÑÇ‘_ÌåÓýapp¹ÙÍø_ÑDz©ÊÓÑ¶ÕæÈË£¤ÊÖ»ú°æÏÂÔØs forschen, beispielsweise bei empirischen Seminar- oder Abschlussarbeiten. Die Bedeutung der Satzung zeigt sich auch darin, dass in der Senatskommission f¨¹r Forschung und Wissenstransfer (KFW) und im Senat intensiv beraten wurde. Vor der Verabschiedung im Senat im Oktober 2025 gab es bereits ?ltere Leitlinien zu den Prinzipien wissenschaftlicher Arbeit und zum Umgang mit wissenschaftlichem Fehlverhalten. Allerdings waren sie nicht mehr auf dem neuesten Stand, zu viel hat sich seit 2002 in der Wissenschaft getan. Zudem erfordern k¨¹nftige Einreichungen bei einigen Drittmittelgebern die Verabschiedung eines solchen Dokumentes; ohne dieses k?nnten einige Forschungsprojekte in der Zukunft nicht mehr umgesetzt werden. Es war also die richtige Zeit, diese neue Satzung zu fassen.

2. Was sind die zentralen Anforderungen an die Forscherinnen und Forscher an der HoMe? Welche Herausforderungen gibt es grunds?tzlich bei der Ver?ffentlichung von Forschungsergebnissen?
Pick: Die Satzung definiert zahlreiche Anforderungen, die f¨¹r sich betrachtet aber nicht alle neu sind. Zwei m?chte ich herausgreifen. Zum einen muss die Herkunft der im Forschungsprozess verwendeten Daten und Materialien unter Zitation der Originalquellen kenntlich gemacht werden. Zum anderen d¨¹rfen Forschende nur Autorin bzw. Autor sein, wenn sie einen genuin eigenen Beitrag geleistet haben. Autorenschaft aufgrund von z.B. reinen Vorgesetztenfunktionen von Nachwuchsforschenden, sogenannte ?Ehrenautorenschaften¡°, sind nicht vereinbar mit dem DFG-Kodex.

3. Inwiefern sind Sie/ Ihr Team aktiv in der Umsetzung der Leitlinien des Kodex?
Pick: Die Satzung wurde in Anlehnung an Empfehlungen der DFG und der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) ¨¹ber einen Zeitraum von knapp zwei Jahren erarbeitet. Wir sind daher sehr froh, die Freigabe des Senats f¨¹r die intensive Arbeit erhalten zu haben. Wir werden im Prorektorat aber kontinuierlich unsere Erfahrungen und die Entwicklungen in der Wissenschaft im Blick haben. In den n?chsten Jahren sind also durchaus Anpassungen m?glich.

4. Wie wird die Einhaltung der "guten wissenschaftlichen Praxis" an der HoMe konkret sichergestellt?
Pick: Wir gehen davon aus, dass sich alle Forschenden intensiv mit der Satzung vertraut machen und sich bei Fragen gerne an das Prorektorat f¨¹r Forschung wenden. F¨¹r Promovierende bieten wir in der Graduiertenakademie Schulungen zur "Einf¨¹hrung in die gute wissenschaftliche Praxis" an und empfehlen sehr die Teilnahme. Insbesondere bei noch wenig erfahrenen Forschenden ist es wichtig, dass sie m?gliche Fallstricke in der Forschung fr¨¹hzeitig erkennen. Das Ziel ist dabei, dass gar kein wissenschaftliches Fehlverhalten ¨C weder absichtlich noch unbeabsichtigt ¨C auftreten kann. Schlie?lich definiert die Satzung, wenn ein wissenschaftliches Fehlverhalten vermutet wird. Ansprechpartner sind die Ombudspersonen unserer Hochschule.

5. Predatory Journals stellen eine wachsende Bedrohung f¨¹r die Integrit?t der Wissenschaft dar. Wie bewerten Sie dieses Ph?nomen im Kontext der Satzung?
Pick: In den letzten Jahren wurde eine Vielzahl von Journals gegr¨¹ndet. Es ist herausfordernd, den ?berblick zu behalten und zu erkennen, welche eine seri?se Fachzeitschrift ist. Zudem steigt der Publikationsdruck, z.B. im Rahmen von Drittmittelprojekten oder Promotionen. Da erscheinen Predatory Journals als eine geeignete ?Heimat¡° f¨¹r schnelle Ver?ffentlichungen. Sie bieten ausschlie?lich Open Access-Ver?ffentlichungen an. Aber: Predatory Journals sind keine Fachzeitschriften, die einen wissenschaftlichen Standard aufweisen und ¨C der Name l?sst es schon vermuten ¨C setzen auch auf das Unwissen vieler Forschenden. Leider kann man nicht jedes Predatory Journal einfach erkennen. Auch renommierte Fachzeitschriften bieten Open Access-Publikationen an. Es gibt jedoch zahlreiche Hinweise, die man aufgreifen kann, wie die Pr¨¹fung des Journals auf Webseiten wie DOAJ sowie die Pr¨¹fung der Geschwindigkeit und Qualit?t eines Review-Prozesses. H?ufig wird eine Forschungsarbeit nach nur wenigen Tagen zur Ver?ffentlichung angenommen.

6. Gibt es an der HoMe klare Richtlinien oder Unterst¨¹tzung, um Forschende vor der Ver?ffentlichung in Predatory Journals zu sch¨¹tzen? Inwieweit sehen Sie die Verantwortung bei den Forschenden selbst, solche Praktiken zu erkennen und zu vermeiden?
Pick: Wir informieren Promovierende regelm??ig zu aktuellen Entwicklungen in der Forschung, wie zu Predatory Journals und Predatory Conferences, u.a. bei den Forschungskolloquien des Promotionszentrums SGW. Auch in den Beir?ten der beiden Promotionszentren IWIT und SGW, in denen die HoMe Mitglied ist, wird das Thema regelm??ig angesprochen. Aber ganz klar: Das reicht nicht. Ich habe selbst erlebt, wie Kollegen an der Hochschule nicht erkannt haben, dass es sich bei einer Zeitschrift um ein Predatory Journal handelt und dort ver?ffentlicht haben. Ver?ffentlichungen in solchen Outlets sind faktisch keine wertvollen Ver?ffentlichungen, sie k?nnen vielmehr der akademischen Entwicklung und Karriere schaden.

7. Paper Mills, also kommerzielle Anbieter wissenschaftlicher Manuskripte, untergraben die 
Vertrauensw¨¹rdigkeit von Forschung. Welche Relevanz hat dieses Thema f¨¹r die deutsche Wissenschaftslandschaft?
Pick: Paper Mills sind eine weitere, gro?e Herausforderung f¨¹r die Wissenschaft. Politiker in anderen L?ndern haben ihren R¨¹cktritt eingereicht, als bekannt wurde, dass sie Autoren von Paper Mill-Texten sind. Paper Mills sind Anbieter, die fertige Manuskripte gegen Autorenschaft verkaufen. Diese Anbieter schreiben nicht nur Promovierende an, sondern auch Professorinnen und Professoren. Das Angebot ist verlockend: ohne eigene wissenschaftliche Arbeit schnell zu einer Publikation zu kommen. Meiner Einsch?tzung nach werden solche Angebote zunehmen, da es mit K¨¹nstlicher Intelligenz leichter denn je geworden ist, Artikel mit einem wissenschaftlichen Anstrich, zu erstellen.

8. Wie kann die Satzung auf Basis des DFG-Kodex helfen, gegen solche Praktiken vorzugehen oder sie pr?ventiv zu verhindern?
Pick: Die Satzung setzt in erster Linie auf Eigenverantwortung der jeweilig forschenden Person. Wir k?nnen ¨¹ber das Ph?nomen kontinuierlich informieren und die Reputationsgefahr aufzeigen. Vor allem bei Promovierenden, die weniger Erfahrung im Publikationsprozess haben, ist das wichtig, sie daf¨¹r zu sensibilisieren. Bei Promovierenden liegt es zudem in der Verantwortung der Doktormutter bzw. des Doktorvaters, darauf zu achten, in welchen Journals eine Publikation eingereicht wird und zu bewerten, ob dieses Journal wissenschaftlichen Qualit?tskriterien gen¨¹gt. In den Promotionsordnungen der Promotionszentren IWIT und SGW sind dazu einige Qualit?tskriterien aufgenommen.

9. Welche Mechanismen gibt es an der HoMe, um Authentizit?t und Urheberschaft von wissenschaftlichen Arbeiten besser abzusichern?
Pick: Auch hier gilt, dass es in der Eigenverantwortung der Forschenden liegt, mit Ph?nomenen von Predatory Conferences und Predatory Journals umzugehen. Vor allem bei Autorenteams ist es wichtig, sich intensiv vor dem Start jedes Projektes auszutauschen, wer welchen Beitrag f¨¹r Publikationen auf Konferenzen und Fachzeitschriften leistet. Im besten Fall wird dies verschriftlicht. Einige Journals erwarten zunehmend derartige Dokumentationen.

10. K¨¹nstliche Intelligenz (KI) wird zunehmend in der Forschung genutzt ¨C von der Datenauswertung bis hin zur Textgenerierung. Wie ver?ndert das die Anforderungen an die gute wissenschaftliche Praxis?
Pick: Das ist eine wichtige Frage. Meiner Einsch?tzung nach wird es wichtiger denn je, in Forschungsteams genau zu ¨¹berlegen, mit wem man zusammenarbeitet und ob man darauf vertrauen kann, dass jeder im Team eigenverantwortlich pr¨¹ft und dokumentiert, wo KI eingesetzt werden kann und wo nicht. So ist es im Promotionszentrum SGW erforderlich, den Einsatz von KI schriftlich zu dokumentieren. Einige Fachzeitschriften lassen den Einsatz von KI zu, aber es muss dokumentiert werden, wo sie verwendet wurde. Als KI-Einsatz z?hlt teilweise bereits schon die ?bersetzung mit Hilfe von Anbietern wie DeepL oder Google Translate. Ich gehe zudem davon aus, dass f¨¹r die relevanten Fachzeitschriften die Reputation von Forschenden wichtiger denn je wird. Neben technischen L?sungen, einen Text auf KI-Erstellung zu pr¨¹fen, ist dies neben Eigenverantwortung und Berufsethos momentan wohl die einzige M?glichkeit, sicherzustellen, dass Menschen das Forschungsthema erarbeitet haben. F¨¹r uns als Leserinnen und Leser von Ver?ffentlichungen bedeutet es aber auch, aufmerksamer denn je zu sein und publizierte Forschungsergebnisse kritisch zu bewerten.

11. Wie sollte mit der Frage der Urheberschaft und Verantwortlichkeit umgegangen werden, wenn KI signifikant an einer Publikation mitwirkt?
Pick: Forschende k?nnen sich hier an den Anforderungen ihrer Forschungsdisziplin orientieren. Neben der Transparenz, dass KI eingesetzt wurde, ist die Frage wichtig, wie KI eingesetzt wurde. In einigen Disziplinen wird explizit mit KI geforscht. Mit KI k?nnen beispielsweise Datens?tze erstellt werden, die eine hohe Qualit?t haben. F¨¹r Journalpublikationen ist die Angabe des KI-Einsatzes teilweise l?ngst verpflichtend. Bei Monografien und Herausgeberwerken k?nnen wir empfehlen, dass es auch hier einen Hinweis auf den Einsatz von KI gibt. In jedem Fall wird es in den n?chsten Jahren weiterhin gro?e Entwicklungen im Bereich der generativen KI in der Forschung geben. Umso wichtiger ist es, dass jeder Forschende ¨C bereits im ÑÇ‘_ÌåÓýapp¹ÙÍø_ÑDz©ÊÓÑ¶ÕæÈË£¤ÊÖ»ú°æÏÂÔØ ¨C mit den Vor- und Nachteilen intensiv vertraut gemacht wird.

Vielen Dank Frau Prof. Dore¨¦n Pick f¨¹r die Einblicke in die Hintergr¨¹nde, Ziele und praktischen Auswirkungen der Satzung.


Das Interview f¨¹hrte Franziska M¨¹ller, PFWE (ÑÇ‘_ÌåÓýapp¹ÙÍø_ÑDz©ÊÓÑ¶ÕæÈË£¤ÊÖ»ú°æÏÂÔØ-Mail: forschungsmarketing@hs-merseburg.de).


Weiterf¨¹hrende Links: 

DFG-Hinweise zu Predatory Journals

DFG-Hinweise zu Open Access

Pr¨¹fung von Open Access-Fachzeitschriften

R¨¹cknahmen von Publikationen

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